Nach meinem Informatikstudium lebte ich acht Jahre (1985-1993) in einer anthroposophisch orientierten Gemeinschaft. Die intensive Beschäftigung mit der Anthroposophie brachte mich auch meinem eigenen Selbst näher. Und so machte ich mich 1993 auf den Weg, alte Muster und Blockaden in einem zweijährigen therapeutischen Prozess aufzulösen. In dieser Zeit lernte ich viel über die Psyche des Menschen und die Möglichkeiten transpersonaler und systemischer Therapie. 1994 erhielt ich eine erste Einführung in die schamanische Arbeit. 1995/96 absolvierte ich eine Shiatsu-Ausbildung und eignete mir an der Heilpraktikerschule medizinische Grundkenntnisse an. Die schamanische Arbeit vertiefte ich in regelmäßiger Praxis bei den elementar-Kreisen. Daran schloss ich 2003 die dreijährige Ausbildung zum Schamanischen Therapeuten an. Mitakuye oyasin Diese Worte der nordamerikanischen Lakota-Sioux-Indianer drücken am besten aus, wie ich über die Welt denke: Wir sind alle miteinander verwandt. Und mit alle sind nicht nur die Menschen gemeint, sondern alle Wesen, also auch die Tiere, die Pflanzen und sogar die Mineralien. Und in allem und durch alles wirkt der Große Geist Geistes Gegenwart. Einem Lakota-Indianer Elmer Running , dem ich 1995 begegnete, verdanke ich, zum Gebet gefunden zu haben. Von den Lakota habe ich gelernt, mit den Steinen statt mit den Büchern zu beten. Ihre Gebetslieder mit der Trommel, der Rassel und dem Tanz geben meinen Gebeten Richtung. Ich bete mit der Kraft des Herzens und den Spirits (Geistwesen), die helfen, mein Gebet zum Großen Geist und in den Kreislauf des Großen Geheimnisses zu tragen. Die Schwitzhüttenzeremonie ist mein spirituelles Zuhause. Sie ist eines der ältesten Reinigungsrituale für Körper, Geist und Seele. Die ursprüngliche indianische Bezeichnung wakan tunka tipi bedeutet "Hütte der heiligen Steine" oder "Wo die Steine zu Dir sprechen". Hier erinnere und erfahre ich mich selbst als Natur und geistige Existenz. Die Anordnung des Schwitzhüttenaltars symbolisiert das Zusammenwirken von Mutter Erde (die Hütte), Vater Sonne (Feuer), Großmutter Mond (der Altar) und dem Lebensbaum, dem zentralen Motiv für den spirituellen Weg der Lakota und vieler Stammesgesellschaften. Im Lebensbaum spiegeln sich auch die Grundhaltungen wieder, die ich anstrebe: Verwurzelt im Boden von Mutter Erde, aufrichtig und würdevoll hier auf Erden zu sein, die Äste wie Hände ausgestreckt zum großen Universum. Die Baumkrone des Lebensbaums zeigt gleichzeitig Frühling, Sommer, Herbst und Winter, was die Gleichzeitigkeit des Naturkreislaufes bezeichnet, aber auch sagen will, dass das Leben an sich kein Ende und keinen Anfang hat. Die Visionssuche ist eine gute Möglichkeit, sich in der Abgeschiedenheit der Natur zu besinnen und ins Gebet zu vertiefen. Ein, zwei, drei oder vier Tage und Nächte ohne Wasser, ohne Nahrung und ohne Schlaf helfen, den Alltag loszulassen und sich für das Neue zu öffnen. Der Begriff Vision hat sich in den letzten Jahren sehr verbreitet. Er hat so die Bedeutung einer wirkungsvollen Zukunftsidee bekommen. Auf Visionssuche im Sinne der indianischen Tradition wird diese jedoch nicht erdacht. Visionssuche ist die Suche nach einem Gesicht, nach einer konkreten Erscheinung aus der spirituellen Welt Hanbleceya, "Flehen um ein Gesicht", wie es die Lakota nennen. Ich trete vor die Augen des Großen Geistes, bitte ihn, mich zu lehren und zu führen. Ich bitte ihn, mir durch die Natur, durch die Spirits eine Erscheinung, eine konkrete Kraft aus der geistigen Welt zu senden. Ich bitte für mich, meine Familie, meine Freunde, meinen Lebenskreis, für mein Volk und alle anderen Völker, für Mutter Erde. Eine Vision ist so konkret wie der Gegenstand vor meinen Augen. Sie kann mir Kraft, Gesundheit, Medizin, Erkenntnis, Talent und Lebenssinn geben. So lehrt mich der Bienenschwarm im Baum neben mir viel über Gemeinschaft das Große wird durch das beständige gemeinsame Tun der Einzelnen erreicht; oberflächlich betrachtet scheint der Schwarm auf der Stelle zu schweben, doch herrscht ein emsiges Kommen und Gehen; durch das gemeinsame Tun entsteht ein beruhigendes, gleichmäßiges Brummen, das keine Biene alleine zustande brächte. Im Sommer 1999 habe ich mich nach zweijähriger Vorbereitung für zwei Tage und Nächte auf Visionssuche begeben, was ein sehr tiefes Erlebnis für mich darstellte. Im Jahr 2000 habe ich drei Tage und Nächte gebetet und mit der viertägigen Visionssuche im Jahre 2002 diesen Zyklus abgeschlossen. Nun heißt es erstmal, die erfahrenen Visionen zu leben. Der Visionstanz bietet eine weitere Möglichkeit, sich ganz dem Gebet hinzugeben und dadurch für andere einzusetzen oder für sich selbst zu bitten. In der Vision wirkt die Kraft des befreiten Geistes, der Lebenskraft ist und der Einsichten in die Natur der Erscheinungen bewirkt. Getragen von der Vision des friedlichen Miteinanders von Mensch zu Mensch und von Mensch und Schöpfung, ist der Visionstanz ausgerichtet auf eine entschlossene Suche nach Visionen und Botschaften aus der geistigen Welt. Was ist zu tun, damit Not, Hunger, Morden und Unterdrückung beendet werden können? Wie folge ich dem Sinn meines Lebens? Was ist meine Kraft, meine Vision mit der ich die Welt nähren und bereichern kann? Seit 1996 nehme ich immer wieder an dieser kraftvollen Zeremonie in der Toscana teil. Channunpa So nennen die Lakota-Sioux die Heilige Pfeife, mit der sie in Zeremonien zum Großen Geist beten. Der Tabak nimmt die Gebete auf und der Rauch, vermischt mit dem eigenen Atem, trägt sie zu ihm hinauf. Der rote Stein und der Stiel können als Symbole für das Weibliche und das Männliche gesehen werden, sodass die Pfeifenzeremonie die Vereinigung von Mann, Frau und Geist symbolisiert. Channunpa steht darüberhinaus auch für eine Lebenshaltung. Wer den Weg mit der Channunpa geht verpflichtet sich, nach Aufrichtigkeit, nach Makellosigkeit zu streben. Seit ich die Channunpa zur Visionssuche aufgenommen habe, gehe ich diesen Weg. In der Schwitzhütte habe ich durch ein Versprechen vor Wakan Tanka, dem Großen Geist bekräftigt, dass ich mich stets bemühe, ein ethisch einwandfreies Leben zu leben. Von dem, was ich erhalte, will ich den Teil nehmen, der mir zusteht nicht mehr und nicht weniger. Was ich darüberhinaus erhalte will ich zum Wohle aller lebendigen Wesen einsetzen. Ich will mich dafür einsetzen, dass alle Wesen das erhalten, was ihnen zusteht. Und in diesem Sinne sehe ich auch meine Arbeit als Schamanischer Therapeut. Großvater, großer allumfassender Geist. Ich stehe, bete und tanze hier Großer, allumfassender Geist, Höre mich, Großer Geist. Hilf uns tiefer zu lieben, tiefer zu erkennen, Visionstanzgebet |
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